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Leben in der Schweiz

Das Schweizer Glossar für Zugezogene: 40+ Begriffe, klar erklärt

Auch wer Deutsch spricht, versteht die Schweiz nicht automatisch: «Franchise» ist keine Fastfood-Lizenz, das «Depot» keine Getränkekiste, und der Betreibungsregisterauszug entscheidet über Ihre Wohnungsbewerbung. Dieses Glossar erklärt die Begriffe, die Ihren Schweizer Alltag steuern, von der Anmeldung bis zum Zügeltermin.

· 10 Min. Lesezeit

Kategorien

  1. Ankommen & Bewilligungen
  2. Wohnen & Miete
  3. Krankenkasse & Versicherung
  4. Arbeit & Lohn
  5. Steuern & Gebühren
  6. Alltag
  7. Häufige Fragen

1. Ankommen & Bewilligungen

Anmeldung: Die Registrierung bei der Einwohnerkontrolle Ihrer Gemeinde, Pflicht innert 14 Tagen nach Einzug. Sie löst fast alles Weitere aus: Serafe-Rechnung, Steuererfassung, Krankenversicherungspflicht.
Einwohnerkontrolle: Das Einwohneramt der Gemeinde. Hier melden Sie Zuzug, Wegzug und Adressänderungen, das deutsche Pendant ist das Einwohnermeldeamt.
B-Bewilligung: Befristete Aufenthaltsbewilligung (meist 1–5 Jahre, verlängerbar), an eine Erwerbstätigkeit oder ein Gesuch gebunden. Wer sie hält, wird in der Regel an der Quelle besteuert.
C-Bewilligung (Niederlassung): Unbefristetes Aufenthaltsrecht nach in der Regel 5–10 Jahren. Mit C entfällt die Quellensteuer, und der Arbeitsmarktzugang ist frei.
L- und G-Bewilligung: L = Kurzaufenthalter (bis 12 Monate), G = Grenzgänger mit Wohnsitz im Ausland und Arbeitsplatz in der Schweiz.
Heimatort: Eine Schweizer Besonderheit: der Bürgerort einer Person, unabhängig vom Geburts- oder Wohnort. Steht in Schweizer Ausweisen, wo andere Länder den Geburtsort führen.

2. Wohnen & Miete

Mietzinsdepot (Kaution): Die Mietkaution: gesetzlich maximal drei Netto-Monatsmieten, zwingend auf einem Sperrkonto auf Ihren Namen. Details im Mietkautions-Ratgeber.
Nebenkosten (akonto): Heizung, Warmwasser, Hauswartung. «Akonto» heisst: Sie zahlen monatliche Vorauszahlungen, jährlich folgt die Abrechnung. Prüfen, ob das Inserat Netto- oder Bruttomiete nennt. Mehr im Nebenkosten-Ratgeber.
Betreibungsregisterauszug: Amtlicher Nachweis, dass keine Zwangsvollstreckungen gegen Sie laufen, bei Wohnungsbewerbungen faktisch Pflicht. Erhältlich beim Betreibungsamt (ca. CHF 17–18).
Referenzzinssatz: Der hypothekarische Referenzzins des Bundes, an den Schweizer Mieten gekoppelt sind: Sinkt er, haben Mietende Anspruch auf Mietzinssenkung, ein in Deutschland unbekannter Mechanismus.
Amtliches Formular: In vielen Kantonen nötig für Mietzinserhöhungen und teils bei Neuvermietung (Anfangsmietzins). Erhöhungen ohne Formular sind anfechtbar.
Zügeltermin: Die traditionellen Umzugstermine (oft Ende März und Ende September), an denen die meisten Mietverhältnisse enden. Umzugsfirmen sind dann Monate im Voraus ausgebucht.
Abnahmeprotokoll: Das Wohnungsübergabeprotokoll bei Ein- und Auszug. Jeden Mangel schriftlich festhalten, es entscheidet später über Kautionsabzüge.

3. Krankenkasse & Versicherung

Grundversicherung (KVG): Die obligatorische Krankenpflegeversicherung: Abschluss innert drei Monaten nach Ankunft, Leistungen bei allen Kassen identisch, nur Prämie und Service unterscheiden sich. Details im Krankenversicherungs-Ratgeber.
Franchise: Nicht die Fastfood-Lizenz: der jährliche Selbstbehalt der Grundversicherung (wählbar CHF 300–2'500). Höhere Franchise = tiefere Prämie.
Selbstbehalt: Nach Erreichen der Franchise zahlen Sie 10% der Kosten selbst, maximal CHF 700 pro Jahr für Erwachsene.
Prämienverbilligung: Kantonale Subvention der Krankenkassenprämie für tiefe und mittlere Einkommen. Viele Zugezogene verpassen sie, weil sie aktiv beantragt werden muss.
Zusatzversicherung (VVG): Freiwillige Zusatzdeckungen (Zahn, halbprivat, Ausland). Anders als bei der Grundversicherung darf die Kasse hier Aufnahme verweigern.
Hausarztmodell / Telmed: Sparmodelle der Grundversicherung: Sie verpflichten sich, zuerst die Hausarztpraxis oder eine Telefonberatung zu kontaktieren, dafür sinkt die Prämie.

4. Arbeit & Lohn

Arbeitszeugnis: Die gesetzlich geschuldete Beurteilung beim Stellenwechsel (Art. 330a OR), mit codierter Notensprache. Der Zeugnis-Ratgeber entschlüsselt sie.
13. Monatslohn: Weit verbreiteter zusätzlicher Monatslohn (meist Ende Jahr). Bei Lohnangaben immer klären: 12 oder 13 Monatslöhne?
GAV (Gesamtarbeitsvertrag): Branchen-Tarifvertrag zwischen Sozialpartnern, regelt Mindestlöhne, Arbeitszeiten und den 13. Monatslohn in vielen Branchen.
RAV: Das Regionale Arbeitsvermittlungszentrum, die Arbeitslosenbehörde. Bei Stellenverlust sofort anmelden; die Arbeitslosenversicherung (ALV) zahlt in der Regel 70–80% des versicherten Verdienstes.
Lohnausweis: Die jährliche Lohnbescheinigung des Arbeitgebers für die Steuererklärung, das Schweizer Pendant zur deutschen Lohnsteuerbescheinigung.
Pensionskasse (BVG / 2. Säule): Die berufliche Vorsorge: obligatorisches Alterssparen über den Arbeitgeber, zusätzlich zur staatlichen AHV. Beim Stellenwechsel wandert das Guthaben als Freizügigkeitsleistung mit.
Säule 3a: Die private, steuerbegünstigte Vorsorge: Einzahlungen (bis zum jährlichen Maximalbetrag) lassen sich vom steuerbaren Einkommen abziehen.

5. Steuern & Gebühren

Quellensteuer: Direkter Lohnabzug der Einkommenssteuer für ausländische Angestellte ohne C-Bewilligung. Ab CHF 120'000 Jahreslohn folgt die ordentliche Veranlagung. Details im Quellensteuer-Ratgeber.
AHV / IV / ALV: Die staatlichen Sozialversicherungen (1. Säule): Alters- und Hinterlassenenversicherung, Invalidenversicherung, Arbeitslosenversicherung, automatisch vom Lohn abgezogen.
Serafe: Die Radio- und TV-Abgabe: CHF 335 pro Haushalt und Jahr, automatisch nach der Anmeldung. Alles Weitere im Serafe-Ratgeber.
Steuererklärung: Wer nicht (mehr) quellenbesteuert ist, deklariert Einkommen und Vermögen jährlich selbst, die Schweiz kennt zusätzlich zur Einkommens- auch eine Vermögenssteuer.
Eigenmietwert: Fiktives steuerbares Einkommen für selbstbewohntes Wohneigentum, eine Schweizer Eigenheit, die Hauskaufrechnungen verändert.

6. Alltag

QR-Rechnung: Der Schweizer Standard-Zahlschein mit QR-Code, Nachfolger des orangen/roten Einzahlungsscheins. Zahlbar per Banking-App, E-Banking oder am Postschalter.
Halbtax & GA: Die SBB-Abos: Halbtax = 50% auf fast alle ÖV-Billette (lohnt sich schnell), GA = Generalabonnement für das ganze Netz.
Hausordnung: Verbindliche Regeln des Mehrfamilienhauses, inklusive Ruhezeiten und Waschküchenplan. Verstösse können abgemahnt werden; die Waschküche ist ein ernst genommenes Sozialsystem.
Gemeinde: Die politische Grundeinheit der Schweiz mit eigener Steuerhoheit: Ihr Steuersatz hängt nicht nur vom Kanton, sondern auch von der Wohngemeinde ab.
Vignette: Die Autobahngebühr: CHF 40 pro Kalenderjahr als Kleber oder E-Vignette, Pflicht auf Schweizer Autobahnen.

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Häufige Fragen

Was bedeutet «Franchise» bei der Schweizer Krankenkasse?

Die Franchise ist der jährliche Selbstbehalt der Grundversicherung: den wählbaren Betrag zwischen CHF 300 und CHF 2'500 zahlen Sie selbst, bevor die Kasse übernimmt. Danach tragen Sie noch 10% Selbstbehalt bis maximal CHF 700 pro Jahr. Höhere Franchise = tiefere Monatsprämie.

Was ist ein Betreibungsregisterauszug?

Der amtliche Nachweis, dass gegen Sie keine Betreibungen (Zwangsvollstreckungen wegen unbezahlter Rechnungen) laufen. Schweizer Vermieter verlangen ihn bei fast jeder Wohnungsbewerbung; Sie erhalten ihn beim Betreibungsamt Ihres Wohnorts für rund CHF 17–18.

Was ist der Unterschied zwischen B- und C-Bewilligung?

Die B-Bewilligung ist die befristete Aufenthaltsbewilligung (meist 1–5 Jahre, verlängerbar), die C-Bewilligung die unbefristete Niederlassungsbewilligung nach in der Regel 5–10 Jahren Aufenthalt. Mit C entfällt unter anderem die Quellenbesteuerung. Sie füllen dann eine ordentliche Steuererklärung aus.

Was ist der 13. Monatslohn?

Ein in der Schweiz weit verbreiteter zusätzlicher Monatslohn, meist im November/Dezember (oder halb im Sommer, halb im Winter) ausbezahlt. Er ist nicht gesetzlich vorgeschrieben, aber in den meisten Arbeitsverträgen und GAV Standard: klären Sie bei Lohnangaben immer, ob sie 12 oder 13 Monatslöhne umfassen.

Verwandte Ratgeber

Umzug in die Schweiz: die komplette Checkliste →Anmeldung in der Schweiz: Schritt für Schritt →Krankenversicherung Schweiz: der Guide →Lebenshaltungskosten Schweiz →
Gründung und Redaktion, LivingEase. Aktualisiert Juli 2026.
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